Stressbewältigung: Kontrolle – oder doch besser Loslassen

Kämpfen oder Rückzug

fight or flightStress haben wir dann, wenn wir zu der Überzeugung gelangen, dass wir eine Situation nicht mit den uns zur Verfügung stehenden Ressourcen (Zeit, Geld, Energie, Fähigkeiten, Kenntnissen, phys. Körper, etc.) lösen können. In der Steinzeit war der Stressauslöser z.B. ein Säbelzahntiger, der ganz sicher schneller rennen konnte als wir und uns deshalb im Sinne von „flight or fight“ nur noch übrig blieb uns kampfbereit zu machen.

Heute haben sich die Gegebenheiten verändert (weniger Säbelzahntiger), doch die Mechanismen, die in uns ablaufen sind exakt dieselben. Im Gegensatz zur Steinzeit, wo wir nicht gerade im 5 Minuten-Takt auf einen Säbelzahntiger gestoßen sind, sind die stressauslösenden Quellen heute um uns herum vielfältiger und permanent gegeben, sobald wir am Morgen die Augen aufschlagen und unharmonische Gedanken in uns aufsteigen oder auch wenn wir aus dem Haus gehen und mit anderen Menschen zusammen treffen.

Können wir Menschen, Ereignisse und Situationen kontrollieren?

Welche der beiden Strategien „Kämpfen oder Rückzug“ beziehungsweise deren Entsprechung „Kontrolle oder Loslassen“ ist nun besser? Also werfen wir einen Blick auf diese äußeren Umstände in Form von Menschen, Ereignissen und Situationen, die dafür verantwortlich sind, dass wir Stress haben. In diesem Beitrag allerdings steigen wir nicht in die Vielfältigkeit dieser Stressoren ein, sondern betrachten nur das was allen gemeinsam ist. Der Punkt, ob wir diese Menschen, Ereignisse und Situationen kontrollieren können oder nicht. Hätten wir die Kontrolle, hätten wir keinen Stress. Oder etwa doch? Nein, weil wir die Situation als unkritisch bewerten würden und ja, weil es stetige Energiezufuhr und Aufmerksamkeit erfordert, um etwas zu kontrollieren, was uns wiederum Stress macht.

Weniger Stress haben bedeutet, sich besser zu fühlen. Leider versuchen wir oft das Pferd von hinten aufzuzäumen. Wir sagen „Wenn sich die Umstände ändern würden, hätte ich weniger Stress und würde mich besser fühlen“. Sie erkennen sich vielleicht selbst wieder: „Wenn ich einen besseren Job hätte, wenn ich einen verständnisvolleren Partner hätte, wenn ich mehr Geld zur freien Verfügung hätte, wenn ich an einem schöneren Ort wohnen könnte, wenn ich schnelleres Auto besitzen würde usw.

Schon der Gedanke an die jetzigen widrigen Umstände lösen in uns Stress aus. Also ändern wir doch einfach direkt die Umstände. Nein? Warum nicht? Weil wir die äußeren Umstände niemals kontrollieren können, auch wenn manche Institutionen mit dieser Strategie erfolgreich zu sein scheinen. (z.B. ein Rechtsstaat, Banken und Ämter)

Was kommt zuerst, der Umstand und dann das Gefühl, oder erst das Gefühl und dann der Umstand?

Gleich zwei tückische Fallen verstecken sich hinter dem Versuch die Umstände kontrollieren zu wollen. Es ist zwar richtig, dass es sich besser anfühlt etwas Schönes zu beobachten oder zu erleben als etwas Unschönes, aber betrachten wir das Ganze mit etwas Abstand und einer Portion Klarheit, dann merken wir ganz schnell, dass es nicht darum geht, dass wir uns deshalb besser fühlen als Reaktion auf einen äußeren Umstand, sondern dass wir uns beim (er)denken von wünschenswerten äußeren Umstände gut fühlen und sich als Folge davon diese Umstände in der Realität zeigen. Erkenne ich mich als Ursache für die Umstände, habe ich keinen Stress mehr, denn ich kann diese widrigen Umstände selbst verändern. Es ist eine Art Henne-Ei Problematik. Wer verursacht was?

Ursache und Wirkung

Der zweite Punkt betrifft ebenfalls die „Ursache“ der äußeren Umstände. Schon beim Lesen sind wir dazu hingerissen zu sagen, ja da kann man nichts machen. Deshalb sind es ja gerade äußere Umstände, da ich diese nicht unter Kontrolle habe. Was passiert, passiert eben. Worauf ich hinaus will ist, dass wir uns zwar zum einen jeglichen Einfluss bzw. die Verantwortung am zustande kommen dieser Umstände ablehnen, auf der anderen Seite aber ganz erpicht sind darauf genau diese äußeren Umstände kontrollieren zu wollen.

In meinem Informatik-Studium ist mir der Begriff dafür begegnet. Er nennt sich DeadLock. Ein Prozess behindert einen anderen, die sich jedoch gegenseitig be-ding-en. Die Konsequenz daraus: Stillstand trotz Energiezufuhr. Es geht eben nicht weiter, weil wir uns im Kreis drehen. Das Ganze löst sich erst auf, und der Prozess kommt wieder in Fluss, wenn wir kurzzeitig nachgeben. Also Loslassen. Gleichmut zeigen. So sein lassen.

Fazit: Könnten wir Menschen, Ereignisse und Situationen kontrollieren, hätten wir keinen Stress. Da es uns jedoch realistisch betrachtet nicht möglich ist alles zu kontrollieren, gehen wir nur dann stressfreien Zeiten entgegen, wenn wir in der Lage sind, das Auftreten von Unerwünschtem loszulassen. Erst dann sind wir auch in der Lage Menschen, Umstände, Ereignisse und Situationen in unser Leben zu ziehen, die wir uns wünschen und zwar mit Gedanken, die das widerspiegeln, was wir uns wünschen und nicht das was wir uns nicht wünschen. Kontrolle hält fest, durch das Loslassen kommen wir wieder in Fluss.

Über den Autor

Mario Herold

Mario Herold ist Jahrgang 1962. Er unterstützt Menschen bei der positiven Lebensgestaltung u.a. durch Meditation und Bewusstseinsentwicklung. Er bietet Methoden und Werkzeuge zur Verbesserung der Lebensqualität und gibt Impulse für Veränderung & Wachstum. Er ist IT-Experte, Coach und digitaler Entrepreneur.

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